Was sind Margin Rules und Ratio?

trading mit margin accounts
Der Trader darf auf seinem Margin Account ein festgelegtes Verhältnis zwischen hinterlegtem Margin zu den geliehenen Wertpapieren nicht unterschreiten. Ansonsten fordert der Broker ihn per Margin Call auf, sein Konto wieder auszugleichen.

Formel zur Berechnung des Margin Ratio

Um die Ratio zu berechnen, bedarf es zunächst einmal einer Erklärung der einzelnen Begriffe:

  • Long Stock Value – Bezeichnung für der gegenwärtigen Buchwert sämtlicher Wertpapiere im Depot.
  • Short Stock Value – Bezeichnung für den gegenwärtigen Buchwert sämtlicher leerverkauften Wertpapiere im Depot: dieser Wert wird negativ angegeben.
  • Real Cash –  Bezeichnung für den Bargeldbestand. Ist dieser Wert negativ, so ist das Konto überzogen. Einnahmen aus einem Short Sale erscheinen positiv.
  • Abs (Short Stock Value) – Bezeichnung für den absoluten Buchwert sämtlicher leerverkauften Wertpapiere im Depot. Dieser Wert ist positiv.

Die Formel lautet:

Margin Ratio = (Long Stock Value + Short Stock Value + Real Cash) / (Long Stock Value + Abs (Short Stock Value)) x 100%

Während der Börsenöffnungszeiten ändert sich die Margin Ratio ständig, da sie abhängig ist von den Aktiennotierungen. Der Kunde wird in seinem Margin Account über die Ratio informiert und muss sie nicht selber errechnen.

Beispiel:

In unserem Beispiel eröffnet ein Kunde bei einem US Broker einen Margin Account mit 10.000 US Dollar. US Broker ermöglichen es, ausgewählte Aktien bis zum Doppelten des Bargeldbestands zu kaufen. Ab 30 Prozent wird ein Margin Call fällig. Fällt das Margin Ratio unter zehn Prozent, so behält sich der Broker das Recht vor, die Aktien des Depots zu verkaufen. Um nun einen möglichst hohen Gewinn zu erzielen, kauft der Trader in Höhe von 20.000 US Dollar Aktien zu einem Stückpreis von 100 US Dollar. Damit hat er seinen Effektenkredit voll ausgenutzt. Sein Margin Ratio ist aber im grünen Bereich, da sein Depotbestand 20.000 US Dollar beträgt, abzüglich des überzogenen Bargeldbestands von 10.000 US Dollar und dividiert durch den Buchwert sämtlicher Wertpapiere mal 100 Prozent = 50 Prozent. Oder anders ausgedrückt: (20.000-10.000) / 20.000 x 100 = 50 %.

Die Wertpapiere dürfen auch ein bisschen im Kurs rutschen, bis ein Eingreifen dies Kunden notwendig wird. Steigen die Aktien hingegen in unserem Beispiel auf 120 US Dollar, dann steigt die Ratio auf etwa fünf Prozent. Fällt die Aktie hingegen auf 80 US Dollar, dann verschlechtert sich das Margin Ratio auf 37,5 Prozent. Dies bedeutet, dass der Kunde die entliehen 10.000 US Dollar nur noch mit Wertpapieren in Höhe von 16.000 US Dollar absichert. Rutscht der Kurs weiter, so wird er bei einem Aktienkurs von etwa 71 US Dollar (30 Prozent Margin Ratio) einen Margin Call erhalten.

Dann muss der Kunde Geld nachschieben, um die notwendige Ratio einzuhalten oder er muss einen Teil der Aktien verkaufen. Wird nicht kurzfristig auf diese Aufforderung reagiert oder fällt der Aktienwert noch weiter auf unter 56 US Dollar (= Margin Ratio von 10 Prozent), wird der Broker selber eingreifen und die Aktien des Kunden aus dem Depot verkaufen.

Dieses Beispiel gilt für Long Positionen innerhalb eines Kontos. Generell kann gesagt werden, dass sich Kunden, die ihr Konto nicht überziehen, auch keine Sorgen um einen Margin Call machen müssen. Sie können den Verlust aussitzen, da sie nur ihr eigenes Geld verwenden, um zu spekulieren. Sie können auch nur das eingesetzte Kapital verlieren.

Margin Ratio beim Short Selling

Selbst wer sich konsequent an die 50 Prozent Regelung hält und somit für jeden US Dollar auf seinem Konto auch nur für einen Dollar shortet, kann über 100 Prozent Verlust machen, wie dieses Beispiel zeigt:

Der gleiche Kunden mit einem Konto von 10.000 US Dollar shortet nun 200 Aktien zu einem Preis von je 100 US Dollar. Somit hat er nun einen Bargeldbestand in Höhe von 30.000 US Dollar, da er aus dem Short Selling 20.000 erzielt hat. Er muss nun sicherstellen, dass er jederzeit die 200 ausgeliehenen Aktien zurückkaufen kann. Er hat in unserem Beispiel die maximale Anzahl Wertpapiere geshortet, da er für jeden US Dollar, denn er im Depot liegen hat, zwei zusätzliche US Dollar entleihen darf. Seine Ratio beträgt zunächst die vereinbarten 50 Prozent = (-20.000 + 30.000) / 20.000. Doch läuft nun die Sache schief, weil zum Beispiel der Kurs entgegen seinen Erwartungen steigt, dann sinkt seine Ratio. Er wird nun bei rund 115 US Dollar den Margin Call erreichen. Bei 136 US Dollar darf sein Broker die Short-Positionen covern.

Deshalb sollte jede Short-Position im Depot nur einen geringen Prozentsatz des Depotbestands ausmachen. So ist sichergestellt, dass diese Short-Position nicht das gesamte Portfolio gefährdet. Im Gegenzug dafür können einzelne Positionen auch unbedenklich um über 100 Prozent in den Verlust gehen. Mit dem Margin Ratio sichert sich demnach der Broker vor Verlusten ab.